Pressemitteilung des GEW-Kreisverband-Oldenburg-Stadt

15. Mai 2017 | Von | Kategorie: Aktuelles, Pressemitteilungen & Positionen

Pressemitteilung des GEW-Kreisverband-Oldenburg-Stadt

 

Integration und Inklusion in einem hierarchisch gegliederten Schulsystem nicht möglich

Zielvorstellung der GEW in der Stadt Oldenburg zur Schulentwicklung in der Stadt

Die Bildungslandschaft befindet sich im Umbruch, auch und gerade in Oldenburg. Ein neuer Schulentwicklungsplan soll dabei die Weichen stellen für das zukünftige Schulangebot der Stadt.

Dazu hat die Stadt Oldenburg ein Gutachten in Auftrag gegeben. Dr. Heinfried Habeck vom Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund nennt zwei Bausteine als Gegenstand seiner Untersuchung: Die aktuellen Schülerzahlen und die Prognosen bis 2023 sowie die Befindlichkeit aller im Oldenburger Schulsystem Tätigen. Er fragt nach Erhaltenswertem, Optimierungsmöglichkeiten, nach Mängeln und Visionen. Die Antworten auf diese Fragen sollen in die Gestaltung der Oldenburger Schullandschaft der nächsten 10 bis 15 Jahre einfließen. (NWZ vom 6. Mai 2016)

Es ist zu fragen, welche Konsequenz die Stadt aus diesem Befund ziehen will und wird. Bereits jetzt ist absehbar: Die Lehrkräfte an den Oberschulen sind in besonderer Weise belastet. Sie arbeiten unter ähnlichen Erlassvorgaben wie die anderen Schulformen im Sekundarbereich I. Danach sollen auch den Schülerinnen und Schülern an den Oberschulen möglichst alle Wege für die weitere Schullaufbahn offengehalten werden, von der Berufsausbildung bis zum Abitur. Dazu müssten auch alle Leistungsgruppen ab Jahrgang 5 die Oberschulen besuchen. Tatsächlich ist aber diese dafür erforderliche Bandbreite an Leistungsgruppen dort nicht vorhanden. Die entsprechenden Leistungsgruppen befinden sich überwiegend an den Gymnasien und den Integrierten Gesamtschulen. Dagegen ist an den Oberschulen der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die durch Inklusion in den „normalen“ Schulbetrieb integriert werden sollen, sowie der Anteil der Schülerinnen und Schüler nicht deutscher Herkunftssprache überproportional hoch. Die derzeitige Situation an den Oldenburger Oberschulen müsste ein komplett verändertes schulisches Angebot vorsehen: Deutlich kleinere Lerngruppen, flexiblere Unterrichtsorganisation, den Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Bedarfen angepasste Vorgaben für die Unterrichtsfächer, bessere Versorgung durch mehr Lehrkräfte und Sozialpädagog/innen. Die bestehenden Erlassvorgaben für Oberschulen lassen eine solche Vorgehensweise jedoch nicht zu!

Solange an dieser Konstellation zwischen Erwartung und Realität nichts geändert wird, werden auch nach einem neuen Schulentwicklungsplan die Lehrkräfte an den Oberschulen unverantwortlich überlastet. Da aus dem Kultusministerium keine Änderung der Erlassvorgaben – außer einer zögerlichen Änderung der Versetzungsordnung, die eine Anpassung an die Gesamtschulen andeutet – zu erwarten ist, sollte von der Stadt ein mutiger Schritt in die Zukunft der Schullandschaft erwogen bzw. beschritten werden. Ein hierarchisch gegliedertes Schulsystem kann nicht gleichzeitig ein integriertes Schulsystem sein. Aus diesem Grund muss die faktische Dreigliedrigkeit, bestehend aus Gymnasien, Integrierten Gesamtschulen und Oberschulen, aufgehoben werden. Neben Gymnasien sollten nur noch Integrierte Gesamtschulen angeboten werden, die dem dringenden Erfordernis von Integration und Inklusion entsprechen können. Daher darf die Dreigliedrigkeit nicht für die kommenden 10 – 15 Jahre in Oldenburg festgeschrieben werden. Das erfordert die Auflösung der Oberschulen und die Erweiterung des Angebots an Integrierten Gesamtschulen in der Stadt. Diese Überlegungen möchte die GEW in Oldenburg mit den Lehrkräften des Sekundarbereiches I (insbesondere der Oberschulen) – aber auch mit den schulpolitischen Vertretungen der Parteien und der Verwaltung – erörtern. Dazu ist eine Veranstaltung zu Beginn des neuen Schuljahres im August geplant.

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