Artikel der nicht veröffentlichten PaedOL 99

19. Oktober 2016 | Von | Kategorie: Päd-OL

Die GEW Oldenburg-Stadt plante für September 2016 eine Ausgabe der PaedOL mit Schwerpunktsetzung auf Aktivitäten mit und für geflüchtete Kinder und Jugendliche an Oldenburger Schulen. Der GEW-Kreisvorstand beschloss, die schon gedruckte Zeitschrift nicht auszuliefern, weil ein Aufsatz zum Thema: „Palästina/Israel: Unrecht dokumentieren und Gerechtigkeit einfordern – in Oldenburg nicht möglich?“ schon vor Veröffentlichung Anlass zu schweren Anfeindungen des Autors und der GEW Oldenburg-Stadt geführt hatten; die GEW Oldenburg-Stadt plant dazu die Herausgabe einer kommentierten Dokumentation in der nächsten PaedOL.

Damit deswegen die übrigen Artikel der nicht ausgelieferten PaedOL 99 nicht untergehen, dokumentieren wir sie hier auf unserer Homepage:

Gründungstreffen des NAMA – Beachtung für Oldenburger Schulprojekt
von Birgit Zwikirsch und Christian Katz

Sprachlernklasse der GS Haarentor mit vielen Kooperationspartnern
von Bettina Braunseis

Unterstützung für die Sprachlernklassen an Oberschule und Gymnasium Eversten durch eine professionelle Lerngemeinschaft
von Hartmut Denker

Stiftung Bildung und Solidarität: Arbeitsbericht des Stiftungsvorstands und Informationen aus geförderten Projekten
Berufsverbote: war da was?


Gründungstreffen des Landesausschusses für Migration, Diversität und Antidiskriminierung – Beachtung für Oldenburger Schulprojekt
von Birgit Zwikirsch und Christian Katz
Zu Beginn des Jahres hat sich auch in Niedersachsen der NAMA (Landesausschuss für Migration, Diversität und Antidiskriminierung) gebildet, in Anlehnung an den BAMA auf Bundesebene der GEW. Das erste Treffen Ende Mai in Hannover diente vor allem der vorläufigen Festlegung von Themenfeldern, die schwerpunktmäßig bearbeitet werden sollen. Bei der Bestandsaufnahme zu den Themenbereichen des BAMA, wurde deutlich, dass sich die Arbeit in den Schulen zurzeit wesentlich auf die Herausforderungen im Bereich der Sprachbildung, insbesondere im Hinblick auf die SchülerInnen in den Sprachlernklassen, konzentriert. Die notwendigen Bemühungen zur Integration der MigrantInnen durch Sprachförderung werden allein aber weder dem umfassenden Gedanken der Inklusion noch der politischen Situation gerecht, das machte die Diskussion beim NAMA-Gründungstreffen deutlich.


Die große Mehrheit der MigrantInnen, die aktuell an den Schulen aufgenommen werden, sind Geflüchtete, Kinder und – zum Teil unbegleitete – Jugendliche, denen nicht nur das Recht auf Bildung, sondern die Lebensgrundlage in ihren Herkunftsländern entzogen wurde. Die Problematik der aktuellen Fluchtbewegung sollte deshalb sowohl auf gewerkschaftspolitischer Ebene als auch in der schulischen Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen Berücksichtigung finden. An zwei Beispielen aus der Praxis wurden Möglichkeiten hierfür aufgezeigt.

Auf gewerkschaftspolitischer Ebene ist vor allem eine Auseinandersetzung mit dem sog. „Flüchtlingsabkommen“ mit der türkischen Regierung von Bedeutung. Suleiman Ateş, der im Februar für den BAMA an einer internationalen Gewerkschaftsdelegation in die Türkei teilgenommen hatte, berichtete über die Repressionen gegenüber der türkischen Bildungsgewerkschaft Egitim Sen und die Situation der von Krieg und Gewalt betroffenen Menschen in den kurdischen Städten im Südosten der Türkei (ausführlicher im NAMA-Bericht in der nächsten Ausgabe der E&W Niedersachsen). Der NAMA wird die Solidaritätsaktionen mit der türkischen Partnergewerkschaft sowie Protestaktionen der GEW/des BAMA zur Situation in der Türkei und entsprechende regionale Protestaktionen unterstützen.

Auf schulischer Ebene fand vor allem das in Oldenburg initiierte Solidaritäts- und Schulpartnerschaftsprojekt mit der syrisch-kurdischen Stadt Kobanê Beachtung. Mehrfach berichtete die Lokalpresse im letzten Jahr über das Projekt der Oberschule Eversten und der IGS Helene Lange Schule, das seinen Ausgangspunkt in einer Unterstützung der Solidaritätsaktion für die êzîdischen Geflüchteten aus Şengal (Nordirak) im Herbst 2014 hatte. Der Zuspruch und das Engagement der SchülerInnen und Lehrkräfte bei dieser Aktion verdeutlichten das Bedürfnis, die Betroffenheit, Sorgen und Hilflosigkeit vieler SchülerInnen angesichts der politischen Situation in den Herkunftsländern aufzugreifen und auch hier solidarische Handlungsmöglichkeiten für alle anzubieten.

So entstand in den beiden Schulen das gemeinsame Solidaritäts- und Schulpartnerschaftsprojekt „Jiyana nû – neues Leben“, das seitdem den Schwerpunkt im Bereich Internationales der „Schule ohne Rassismus“-Arbeit bildet. Kobanê wurde durch die erfolgreiche Verteidigung gegen die Angriffe des sog. „Islamischen Staats“ in einer breiten Öffentlichkeit zum Symbol des Widerstands. Angesichts der großen Zerstörung der Stadt beschlossen die beiden Schulen auf Initiative ihrer „Schule ohne Rassismus“-Gruppen, mit einem langfristig angelegten Projekt zum Wiederaufbau der Schulen in Kobanê beizutragen und nach Möglichkeit Schulpartnerschaften zu beginnen.

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Eine der 15 zerstörten Schulen in Kobanê

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September 2015: wieder Unterricht in Kobanê!

Inzwischen hat ein erster erfolgreicher Spendenlauf stattgefunden und es gibt einen Kontakt zu den Bildungsverantwortlichen des Wiederaufbaukomitees in Kobanê. Erste Informationen über die wieder eröffneten zukünftigen Partnerschulen und erste Briefe wurden verschickt, und der zweite Spendenlauf am diesjährigen Antikriegstag ist in Vorbereitung.

Neben dieser dringend notwendigen humanitären Hilfe und dem interkulturellen Austausch wurde ein weiterer Aspekt des Kobanê-Projekts deutlich. Informationen und Diskussionen über den Wiederaufbau und dessen Blockaden und Angriffe von außen verdeutlichten den Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Projekt der demokratischen Selbstverwaltung in Rojava (Westkurdistan/Nordsyrien), zu dem Kobanê gehört. So wird das Projekt immer mehr auch als Unterstützung einer demokratischen Perspektive für die Region verstanden, einer Förderung des gleichberechtigten Zusammenlebens von Frauen und Männern sowie der verschiedenen kulturellen und weltanschaulichen Bevölkerungsgruppen, und damit auch als weiterer sinnvoller Beitrag zur Verminderung von Fluchtursachen.

Im Hinblick auf eine rassismuskritische und diversitätsbewusste Bildungsarbeit sowie die Demokratie- und Friedenserziehung (Ziele des GEW-BAMA) unterstützt der NAMA das in Oldenburg initiierte Schulprojekt für Kobanê und wirbt über die E&W für die Beteiligung weiterer Schulen daran. Auch jede andere Form der Unterstützung ist wichtig.

Interessierte Oldenburger KollegInnen und Kollegien können sich an die Gruppen „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an der OBS Eversten oder der Helene Lange Schule oder an die u. g. AnsprechpartnerInnen wenden. Alle Informationen über den bisherigen Verlauf des Projekts (und die übrigen „Schule ohne Rassismus“-Aktivitäten) sind auf den Websites der Schulen zu finden. Private SpenderInnen für das Projekt erhalten eine Spendenbescheinigung.

An dieser Stelle ein herzlicher Dank an den GEW-KV-Oldenburg Stadt für die Unterstützung der Arbeit im Projekt „Schule ohne Rassismus“!

Kontakt: www.obs-eversten.de / birgit.zwikirsch@obs-eversten.de
www. hls-ol.de / christian.katz@hls-oldenburg.de
Spendenkonten:
Empfänger: Schulen ohne Rassismus Oldenburg
IBAN: DE20 2805 0100 0023 1286 63
BIC: SLZODE22XXX
Verwendungszweck: Schulprojekt Kobanê

mit Spendenbescheinigung:
Empfänger: Stiftung Bildung und Solidarität
IBAN: DE73 2805 0100 0001 6479 32
BIC: SLZODE22XXX
Verwendungszweck: Schulprojekt Kobanê


Kurzbericht zur Situation der Sprachlernklasse an der Grundschule Haarentor

An der Grundschule Haarentor wurde zum 2. Halbjahr des Schuljahres 2011/12 die erste Sprachlernklasse im Primarbereich eingerichtet. Die Schule erweiterte damit in Kooperation mit der Stadt Oldenburg ihr Angebot, um auf die zunehmende Zahl von Flüchtlingsfamilien mit schulpflichtigen Kindern zu reagieren.

Um die soziale und sprachliche Integration zu fördern, nehmen die Kinder der Sprachlernklasse auch am Unterricht ihrer zukünftigen Regelklasse teil, in musisch-kulturellen, praxisbezogenen Fächern und im Sportunterricht.

Durch die konkrete Arbeit mit der Sprachlernklasse wurde schnell deutlich, dass der Erlass „Förderung von Bildungserfolg und Teilhabe von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache“ (SVBL 7/2014, S. 330ff) zwar den rechtlichen Rahmen vorgeben kann, der komplexe Umgang aller mit dieser neuen Klassenform erfordert jedoch eine Vielzahl von Entscheidungen und Absprachen an der Schule.

Daraus erwuchs das Bestreben, die Ideen und Vorschläge in einem umfassenden Konzept zu konkretisieren, um die gemeinsamen Absprachen in einem Zusammenhang festzuschreiben und für alle einsehbar zu machen.

Das Ziel unseres Konzeptes ist es, die soziale und sprachliche Integration unserer Schülerinnen und Schüler aus der Sprachlernklasse optimal zu befördern, als auch ihre Erziehungsberechtigten über alle sozialen, kulturellen und sprachlichen Barrieren hinweg als verantwortungsbewusste BildungspartnerInnen zu gewinnen. Das Ziel ist weiterhin, an unserer Schule Toleranz durch positive gemeinsame Erfahrungen zu entwickeln, Vielfalt als Gewinn wahrzunehmen und die demokratischen Werte unserer Gesellschaft zu vermitteln.

Zu den Kooperationspartnern der Sprachlernklasse an der Grundschule Haarentor gehören u.a.:

  • Die Kommunale Gemeinschaftsunterkunft Gaußstraße sowie die weiteren Gemeinschaftsunterkünfte in der Stadt Oldenburg.
  • Das Jugendhilfezentrum der Stadt Oldenburg
  • Der Hort Haarentor
  • Die Agentur:Ehrensache der Stadt Oldenburg (Bildungspatenprojekt, Integrationslotsenprojekt)
  • Der Verein BildungsChancen im Blick
  • Die Oldenburgische Bürgerstiftung
  • Die Musikschule Oldenburg (1x wchtl. Singstunde)
  • Die Zusammenarbeit mit Nachhilfeinstituten der SchülerInnen (gemeinsames Konzept, enge Absprachen, Hospitationen der DozentInnen im Unterricht der SLK)
  • Die Kooperation und Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Lehrkräften i.R. (u.a. Leseförderung)
  • Die Zusammenarbeit für möglichst ein Schuljahr mit DolmetscherInnen und Dolmetschern in den aktuell benötigten Erstsprachen der Klasse (für Aufnahmegespräche, Elternsprechtage und Elternabende)
  • Neu: Die Zusammenarbeit mit DolmetscherInnen/Eltern aus alten SLK-Klassen (Eltern von ehemaligen SchülerInnen)
  • Neu: Die Kooperation mit dem Jugendwerk der Arbeiterwohlfahrt Weser-Ems e.V. (Sprachferien/ Ferienbetreuung für Kinder der SLK)

Unsere Schule hat mit dem Konzept für sich einen Weg gefunden, die Integration und Chancengerechtigkeit zu unterstützen und will damit ihren Beitrag zur Förderung eines friedlichen und toleranten Zusammenlebens in unserer Schule und unserer Stadt Oldenburg leisten.

Die Arbeit mit der Sprachlernklasse wird in den Gremien vom Kollegium ständig weiterentwickelt und an aktuelle Erfahrungen und Erkenntnisse angepasst.

Sie wird vom Kollegium der Grundschule Haarentor als gemeinsame Aufgabe verstanden, gemeinsam umgesetzt und weiterentwickelt.

Für das Kollegium der Grundschule Haarentor

Bettina Braunseis (Leiterin der SLK an der GS Haarentor)


Unterstützung für die Arbeit mit Geflüchteten an der OBS Eversten und am Gymnasium Eversten durch eine professionelle Lerngemeinschaft
von Hartmut Denker

Im Schuljahr 2015/16 wurden insbesondere die Oberschulen in Oldenburg vor eine besondere pädagogische Herausforderung gestellt: Die vermehrte Zuwanderung von geflüchteten Jugendlichen und Kindern, z.T. unbegleitet, führte zu einer deutlichen Kapazitätsüberlastung in den Sprachlernklassen an allen vier Oldenburger Oberschulen. Erfreulich, dass sich – nach den Gesamtschulen – nun auch Oldenburger Gymnasien (Gymnasium Eversten, Neues Gymnasium) durch die Eröffnung von Sprachlernklassen dieser Herausforderung stellen, so dass es in diesem Schuljahr hoffentlich zu einer spürbaren Entlastung der Oberschulen kommt.

Dennoch bleibt die Arbeit in den Sprachlernklassen für die Lehrkräfte belastend. Die Klassen sind maximal heterogen in Sprachstand, Ethnie, schulischer Grundbildung, Sprache etc.. Es fehlt nach wie vor an qualifizierten Lehrkräften für diese besonderen Lerngruppen.

Die Oberschule Eversten und das Gymnasium Eversten machen sich nun gemeinsam auf den Weg, diesen Herausforderungen konstruktiv zu begegnen: Bereits im letzten Schuljahr wurde eine professionelle Lerngemeinschaft gegründet, die ihre Arbeit nun aufgenommen hat. Mitglieder dieser Arbeitsgruppe sind die leitenden Lehrkräfte der Sprachlernklassen sowie Fachkolleginnen. Professionell begleitet wird die Arbeit von Frau Ingrid Deserno vom Sprachbildungszentrum Oldenburg. Die Gruppe trifft sich in regelmäßigen Abständen mehrfach im Schuljahr und hat folgende Arbeitsschwerpunkte:

  • Auswertung von gegenseitigen Unterrichtshospitationen und Reflexion der Unterrichtspraxis
  • Implementierung von Elementen des Sprachförderkonzeptes, insbesondere von Instrumenten der Sprachbeobachtung
  • Entwicklung von Materialien und Unterrichtsvorhaben
  • Kollegiale Rückenstärkung

Die schulischen Gremien werden regelmäßig über den Stand der Arbeit informiert.

Für die Arbeit in der professionellen Lerngemeinschaft erhalten die Lehrkräfte der Oberschule Eversten eine Entlastung.

Die Schulen versprechen sich durch die professionelle Lerngemeinschaft langfristig eine Verbesserung der Unterrichtsqualität, eine Entlastung und Steigerung der Arbeitszufriedenheit für die Lehrkräfte in Sprachlernklassen sowie Impulse für die Schulentwicklung.

Die Kooperation der beiden Schulformen steht aus unserer Sicht zukunftsweisend für eine Haltung, die Integration insbesondere von Menschen mit Fluchterfahrungen als gemeinsame, gesamtgesellschaftliche Aufgabe anzusehen.

Hartmut Denker


Bildung und Solidarität – Stiftung der GEW Oldenburg-Stadt
Arbeitsbericht des Stiftungsvorstands

Seit der letzten Ausgabe der PaedOL im Juni 2015 hat die Stiftung folgende Projekte unterstützt:

Jugendbildungsprojekt „… und raus bist Du!“ (JugendKulturArbeit) – Druckkostenzuschuss für „Schule in der Migrationsgesellschaft“ (Prof. Leiprecht und Autorenteam) – Coolness Training (Bahattin Aslan) – Zuschuss zur „Internationalen Jugendbegegnung in Pamplona“ (JugendKulturArbeit) – Zuschuss zur Veranstaltungsreihe „Oldenburg – globale Stadt 5“ (FilmRiss).

Dafür haben wir 850,00 € aufgewendet. Wir mussten wieder mehrere Anträge abweisen und konnten auch bei den genannten Projekten die Wünsche nur teilweise befriedigen. Denn unser Stiftungskapital wirft gegenwärtig nur niedrigste Zinsen ab. Teilweise hat der GEW-Kreisverband eine zusätzliche Förderung aus seinem Haushalt beschlossen, soweit das mit den GEW-Aufgaben vereinbar war.

In den kommenden Jahren können wir weiterhin nur noch mit Zinseinnahmen in der Größenordnung von hundert Euro rechnen. Wenn wir weiterhin als Unterstützer von förderungswürdigen Bil­dungs- und Kulturprojekten in Oldenburg präsent sein wollen, dann sind wir zunächst voll auf eure Spenden angewiesen, die auch bisher schon unseren Förderétat verbessert haben (2014: 650 €; 2015: 500 €; 2016 bisher: 500 €). Wer unsere Stiftung mit Spenden fördert, kann diese Ausgaben steuermindernd geltend machen.

Unser Spendenkonto:
Stiftung Bildung und Solidarität
IBAN: DE73 2805 0100 0001 6479 32

Dem Stiftungsvorstand gehören an: Monika de Graaff, Axel Klein­schmidt, Hansjürgen Otto
Im folgenden findet Ihr Informationen über einige der geförderten Projekte:
Jugendbildungsprojekt „… und raus bist Du!“ der JugendKulturArbeit e.V. mit der Sprachlernklasse und zwei 9. Klassen der Oberschule Alexanderstraße, dem 10. Jahrgang der Helene Lange Schule und der Klasse 2a der Fachoberschule Gestaltung – gefördert u.a. von unser GEW-Stiftung Bildung und Solidarität.

Handbuch: Schule in der Migrationsgesellschaft
Hrsg.: Rudolf Leiprecht und Anja Steinbach (CvO-Uni Oldenburg)
Schwalbach / Taunus: Debus Pädagogik 2015
(928 S.; ISBN 978-3-9541-4025-1; 59,00 EUR)

Das zweibändige Handbuch ist eine überarbeitete und wesentlich erweiterte Neuausgabe des im Jahr 2005 / 2006 erschienenen Handbuches „Schule in der Einwanderungsgesellschaft“, welches eine prominente Stellung im Bereich interkultureller, migrationsgesellschaftlicher und rassismuskritischer Bildung hat. Ebenso wie die ursprüngliche Ausgabe beschäftigt sich die Neuerscheinung des Handbuches mit der Frage, wie das deutsche Bildungssystem und konkret die Institution Schule auf die Phänomene (migrationsbedingter) gesellschaftlicher Diversität und sozialer Ungleichheit angemessen und professionell reagieren können. Dabei untersucht es die historischen Entwicklungen wie aktuelle soziale Veränderungen und gesellschafts- und bildungspolitische Diskurse über Diversität im Bildungssystem und formuliert Empfehlungen für eine reflexionsorientierte, kulturalisierungs- und diskriminierungskritische pädagogische Praxis. 
Das Handbuch ist in zwei Bände aufgeteilt. Der erste Band umfasst Grundlagen des Themenbereichs, Fragen von Diversität und sowie Fachdidaktiken, der zweite konzentriert sich auf die Themen Sprache, Rassismus und pädagogische Professionalität. 

Die Stiftung unterstützte die Veröffentlichung mit einem Druckkostenzuschuss.
40 Jugendliche aus Oldenburg nahmen am Theateraustausch teil. Der Abschied fiel ihnen sehr schwer.

Jugendkulturarbeit ist schon bekannt dafür, dass er in seinem internationalen Jugendprojekte­haus (Schlieffenstraße 9) auf dem Gelände der alten Donnerschwee-Kaserne Jugendbegegnungen mit Jugendlichen aus ganz Europa veranstaltet. „In diesem Sommer waren zusätzlich die Jugendlichen des Vereins eingeladen, in andere Länder zu reisen“, erzählt der 1. Vorsitzende und Theaterpädagoge Jörg Kowollik.

40 Jugendliche der Gruppen Rollentausch (Kreyenbrück), Kurlandtheater (Ohmstede), Junges Theater Bloherfelde und Jugendclub in der Kulturetage sowie einige andere Jugendliche aus dem Kooperationsnetzwerk des Vereins (z.B. von den Theaterclubs des Staatstheaters) gingen mit ihren Leitern und Leiterinnen auf Reisen. Ihre Ziele waren: Barcelona (Spanien) für Rollentausch & Theater-AG der IGS Kreyenbrück, Logrono (Spanien) für das Kurlandtheater, Pamplona (Spanien) für das Junge Theater Bloherfelde und Rezekne (Lettland) für den Jugendclub.

Sie trafen Gleichaltrige aus anderen Ländern (etwa aus Frankreich, Italien, England und Polen) und bearbeiteten spannende Themen. „Europäische Horizonte, Jugendbeteiligung, Interkultu­ralität, Kulturen im Spiegel, zählt Jörg Kowollik auf. In drei Städten entstand so innerhalb der Projektzeit (je etwa zehn Tage) eine Theaterproduktion. So wurde das Stück „Searching for an exit“ beispielsweise in Barcelona im Park „La Ciutadela“ und beim Stadtteilfest „Fiesta mayor de sans“ aufgeführt. In Logrono belohnten 400 Zuschauer das Straßentheater mit viel Beifall. Kowollik: „Die Jugendlichen haben sich über die Theaterarbeit angefreundet. Es gab sogar einige Verliebte, und so waren die Abschiede äußerst tränenreich und traurig.“

Über die modernen Medien werden nun die Freundschaftsbande gepflegt und alle freuen sich schon darauf, die Partnergruppen im kommenden Jahr in Oldenburg im Internationalen Jugendprojektehaus begrüßen zu können.

Gefördert wurden die Reisen der Jugendlichen durch das Programm „Erasmus+“ der Europäischen Union und das Deutsch-Französische Jugendwerk. Aus Oldenburg unterstützen laut Jörg Kowollik zwei private Spender sowie die Stiftung Solidarität und Bildung (GEW) und die Oldenburger Prechter-Stiftung die Theaterfahrten.
Oldenburg – globale Stadt 5

„ … die Reihe „Oldenburg – globale Stadt 5“ ist gut zu Ende gegangen. Es gab wieder spannende Begegnungen und lebhafte Gespräche mit den Gästen und dem Publikum. Das zeigte sich auch daran, dass es jeden der vier Abende knapp wurde, bis 22.30 Uhr mit der Veranstaltung zu Ende zu kommen. …
Schönen Dank für die Unterstützung durch die GEW-Stiftung“ – schreibt uns Bernhard Gorka von FilmRiss

Etwas verspätet auch noch der folgende Bericht:
Veranstaltungsreihe „Die Opfer des NSU und das Versagen des demokratischen Rechtssystems“ bei IBIS e.V.

Im Oktober 2014 fanden bei IBIS-Interkulturelle Arbeitsstelle zwei Veranstaltungen unter dem Titel „Die Opfer des NSU und das Versagen des demokratischen Rechtssystems“ statt. Die Veranstaltung wurde von IBIS e.V. zusammen mit dem Oldenburger Bündnis gegen Rechts, dem Fluchtmuseum e.V. sowie der Gruppe Sachor-für eine geschichtsbewusste Pädagogik nach Auschwitz organisiert und neben der Stiftung „Bildung und Solidarität“ der GEW durch den DGB, ver.di, der Vereinigung der Vefolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) und der Stabstelle Integration der Stadt Oldenburg gefördert.

Mit der Organisation und Durchführung der Veranstaltung wollte IBIS e.V. mit seinen Kooperationspartner_innen einen wichtigen öffentlichen Beitrag dazu leisten, sich kritisch mit der NSU-Mordserie und den Begleitumständen auseinanderzusetzen. Die Veranstaltungen sollten sich mit dem Kontext der der (Nicht-)Aufklärungsgeschichte zu den NSU-Morden und den Zusammenhängen zwischen rassistischer Gewalt, Alltagsrassismus und institutionellem Rassismus befassen. Thematisiert werden sollten sowohl die Fehlermittlungen der Behörden und Einrichtungen als auch die Perspektive der NSU-Opfer.

Am 08. Oktober fand zunächst eine Lesung aus dem Buch „Schmerzliche Heimat“ statt. In dem Buch berichtet Semiya Simsek über den Mord an ihren Vater Enver und über den institutionellen Rassismus, den ihre Familie im Zuge der Ermittlungen erleben musste, da die Polizei hinter dem Mord an ihrem Vater dessen angeblichen Machenschaften zu einer kriminellen Mafiaorganisation vermutete. Ihre Familie wurde über mehrere Jahre verdächtigt, in Verhören bedrängt und ausspioniert (u.a. wurden Telefonate der Familie abgehört und Wanzen in dem PKW der Familie eingebaut). Da die Autorin selbst inzwischen in der Türkei lebt, wurde mit dem preisgekrönten Journalisten Peter Schwarz der Ko-Autor des Buches eingeladen, der aus dem Buch vorlas und eindrucksvoll über seine Recherchen zum NSU und sowie über die Familiengeschichte der Simseks berichtete.

Eine Woche später diskutierten Eva Högl (Mitglied des NSU-Untersuchungsausschusses und Bundestagsmitglied), Britta Schellenberg (wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität München mit dem Arbeitsschwerpunkt „Handlungsstrategien gegen Rechtsextremismus“) und Wolf Wetzel (Autor des Buches „Der NSU-VS Komplex“) über die Umsetzungen der Empfehlungen des NSU-Untersuchungsausschusses. In der Podiumsdiskussion, die von Dr. Klaus Thörner (Gruppe Sachor – für eine geschichtsbewusste Pädagogik nach Auschwitz und Mitglied des Oldenburger Bündnis gegen Rechts) moderiert worden ist, wurde u.a. kontrovers über den Ermittlungsbedarf, die Rolle des Verfassungsschutzes, institutionellen Rassismus neue Erkenntnisse im Hinblick auf extreme Rechte diskutiert.

Beide Veranstaltungen wurden im Vorfeld groß beworben. Es wurden 2.500 Flyer verteilt, Pressemitteilungen verfasst sowie in verschiedenen Medien und auf Internetplattformen auf die Veranstaltung hingewiesen. Der Lokalsender Oeins berichtete im Fernsehen über die Veranstaltungen und interviewte hierzu Peter Schwarz. Trotz der vielen Werbung und Berichterstattung erschienen insgesamt zu beiden Veranstaltungen jedoch nur 60 Personen. Trotz der eher geringen Resonanz war es aus der Sicht von IBIS e.V. äußerst wichtig, diese bildungspolitische Veranstaltung durchzuführen und es zeigt auf, dass es umso wichtiger ist, auch in Zukunft Veranstaltungen dieser Art zum NSU-Themenkomplex anzubieten.


„Berufsverbote“ – war da was?

1972 beschlossen die Innenminister den sog. „Radikalenerlass“, mit dem junge linke Radikale aus dem öffentlichen Dienst ferngehalten und ggf. rausgeworfen werden sollten. Das traf die Mitglieder der damaligen kommunistischen Parteien, Gruppen und Grüppchen, darüber hinaus viele weitere in der Schüler- und Studentenbewegung sozialisierte Aufmüpfige. Mitglieder und Absolventen der damals gegründeten neuen Universitäten waren besonders betroffen, gerade auch hier in Oldenburg, gerde auch Lehrer. „Berufsverbot“ war der Kampfbegriff, unter dem diese Praxis auch international kritisiert wurde. Übrigens: die Gewerkschaften schützten damals nicht die Betroffenen; nein, auch sie schlossen viele ihrer radikaleren jungen Mitglieder aus.

Das ist inzwischen Geschichte. Viele der damals aus dem öffentlichen Dienst Ausgeschlossenen wurden später wieder eingestellt. Aber vergessen ist diese Geschichte noch nicht …

Damit man sich an diese Geschichte erinnern kann, gibt es seit letztem Jahr eine Wanderausstellung, konzipiert von ehemals Berufsverbots-Betroffenen, gefördert und unterstützt auch von der GEW. Man sollte denken, dass diese Ausstellung auch und gerade in Oldenburg gezeigt werden sollte – zur Erinnerung, zur Auseinandersetzung auch mit den damaligen Positionen aller Beteiligten. Man sollte meinen, dass die Universität sich als Ort dafür besonders eignete – aber die will das bisher nicht.

(Eine Kurzfassung der Ausstellung findet man unter:
http://www.berufsverbote.de/index.php/Ausstellung-Vergessene-Geschichte.html)

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Kein Ausstellungsort in Oldenburg – soll das so bleiben?

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